Mariposa Roja

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Traube

100 % Gewürztraminer

Farbe

Gold mit grünen Reflexen

Nase

Sehr vegetal, grasig, wenig „Traminer“, vielleicht ein ganz kleines bisschen Litschi. Kaum Honig.

Gaumen

Ein sehr fetter Wein, sehr voller Körper. Aber dann ist auch gleich Schluss. Die Aromen setzen sich nicht fort 😐. Traminer entdecke ich erst spät. Im Abgang leichte Säure. Insgesamt eher trocken, aber ausgewogen und sehr voll.

Resümee

Ich hab ihn gekauft, weil ich noch nie einen spanischen Gewürztraminer getrunken habe. Interessante Erfahrung, man sieht/schmeckt deutlich die unterschiedlichen Ansätze. Würde ihn für mich eher nicht wieder kaufen.

4G 465

gegessen

Chinesisch „all you can eat“, aber nicht Buffet, sondern man bestellt von der Karte. Die Portionen sehr klein, was aber gut ist, weil man so viel mehr probieren kann. Sehr gut

getrunken

Poesie Novello Veneto 2018 von der Cantina di Soave (Merlot und Cabernet), gekauft in einer Enotheka in Cannobio (Cantina Ferro di Ferro Renzo). Nase: deutlich und angenehm Banane, fruchtig, leicht, im Mund sehr schön ausgewogen, im etwas kurzen Abgang ein bisschen bitter.

Achtung – Bildungsblog: Novello – ist sozusagen die italienische Variante des Beaujolais Primeur. Es gibt ihn bereits ab November.
Um zu ermöglichen, dass der Wein so schnell, nämlich schon nach 6 Wochen, trinkreif ist, wird er nach einem bestimmten Verfahren hergestellt (auch in Frankreich – Beaujolais Primeur, Spanien – vino joven etc.). Es handelt sich um die Kohlensäure-Maischung: Dazu werden die ganzen, unbeschädigten Trauben in einen Gärbehälter getan, der die Luft fernhält (CO2 Schutzgas, um die Oxydation zu verhindern). Die Beeren beginnen ohne Hilfsmittel (keine Hefe) zu gären, je nach Winzer 1 bis 2 Tage bis zu einer Woche. Dann wird der Most abgezogen, der Rest gepresst, beide Moste wieder vermischt und weiter gegärt.
Bei der Gärung entstehen auch flüchtige Phenolverbindungen, die u.a. stark nach Bananen riechen, ich mag das sehr (andere nicht).

gesehen

Verbania. Recht hübsche Stadt, ich hatte nicht viel Zeit, weil ich nach Hause musste. Ich schau mal, ob es hier einen Camping- oder Stellplatz gibt, dann bleibe ich da mal einen Tag.

gelesen

Reiseführer, nicht so oft und aufmerksam, wie man es gern gehabt hätte. Weil, ich gucke lieber raus und schau mal, was kommt. Und es kommt immer was, das ist das Schöne.

Weingut Achillée

Auf der Heimfahrt von der Pfalz habe ich noch einen kurzen Abstecher in den Elsass gemacht. Und dort, am Ortsausgang von Scherwiller, steht ein etwas futuristisch angehauchter Bau aus Holz und Glas.

Und am Strassenrand ist ein kleines Schild – Wein. Also bin ich hin und es handelt sich um das Weingut Achillée

Vor dem Gebäude ist ein junger Mann, der etwas fertig aussieht (später stellt sich raus, dass hier am Vorabend eine Hochzeit war und er die letzten Gäste 5.00 hinaus komplimentiert hat und seit 10.00 schon wieder hier ist und aufräumt).

Er begrüßt uns sehr nett, wechselt sofort ins deutsche (Gott sei Dank, mit meinem französisch ist es nicht weit her) und beginnt, uns Gebäude und Intention zu erklären.

Das Gebäude besteht aus 3 Räumen – „Weinkeller“, Verkaufsraum und Flaschenlager. Alles ebenerdig und durch riesige Glastüren voneinander getrennt. Das ganze Gebäude kommt ohne Heizung, Belüftung etc. aus. Die Wände sind ca. 1.50m dick und bestehen aus gepresstem Stroh, was lediglich als Tier- und Feuchtigkeitsbarriere verputzt ist. Alles ist aus Holz und Glas (3 fach Verglasung).

Das Ziel bei dem Gebäude war, dass alles harmonisch mit der Natur ist und sich alles „von allein regelt“.

Der Wein wird biodynamisch ausgebaut, wird uns sehr fachmännisch erklärt. Der junge Winzer hat in Changins in der Westschweiz studiert, eine Hochschule übrigens, in der wohl sehr viel Wert auf Ökologie gelegt wird.

Der Wein wird in Edelstahlfässern ausgebaut, die teilweise in bis zu 3 Abschnitten unterteilt sind. Das erlaubt ihm z.b. Wein, der nicht recht gären will, in die Zwischenlage zu füllen und durch die Wärme der 2 anderen Teile geht es dann wohl los.

Gelagert werden die Weine dann in riesigen Holzfässern aus dem Schwarzwald, die ihrerseits bereits bei einem Biobauern genutzt wurden. Die Fässer verwendet er vorwiegend für seine Weissweine, die noch atmen sollen. Er hat auch wenige Barriques, aber nur ganz schwach getoastet, er will nicht, dass das Holz zu dominant wird.

Auf seinen 18ha (verteilt auf 140 Parzellen – das hört sich für mich nach einem ständigen hin- und hergejuchtele an) baut er hauptsächlich Riesling, Weissburgunder, Auxorois, Grauburgunder und Gewürztraminer an.

Verkostet habe ich eine Cuvée, den Weissburgunder und Gewürztraminer. Der Weissburgunder dezent frisch in der Nase, schmelzig, gute Säure. Der Gewürztraminer eher trocken ausgebaut, sehr aromatische Nase, mittlerer Abgang, auch hier gut eingebundene Säure.

Ich hatte es etwas eilig, bin aber in 4 Wochen nochmal in der Gegend, dann verkoste ich den Rest und vergleiche seine Basisweine mit seinen Terroirweinen. Unbedingt dann auch die Cremants, die er auf Rieslingbasis macht.

Ich trinke, was MIR schmeckt

Am 18.3.2018 schrieb Stuart Pigott (britischer Weinkritiker) in der Sonntagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen einen Artikel zum Thema Wein, Supermarkt, Fachhändler, Sommeliers. Ein Punkt, der mir gefallen und eben auch schon aufgefallen ist, war:

„..Weinkenner neigen dazu, das Besondere zu suchen, ungewöhnliche Weine, die wir in unserer Arbeit anpreisen und deren Geschichte wir ausbreiten. Der typische Sommelier tut das Gleiche im Restaurant, und obwohl Weinhändler zwar unterschiedliche Einstellungen zum Produkt haben, gibt es auch unter ihnen den ehrgeizige Typen, der zum gleichen Verhalten neigt. […] Aber wir wollen auch unsere besonderen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Wenn es also ein Pinot Grigio sein muss (sic!), dann fällt unsere Wahl auf einen aussergewöhnlichen Wein dieser Rebsorte. Eine grosse Marke wie „Santa Margherita“ zum Objekt unseres Schreibens machen erscheint uns einfallslos, obwohl sie den Geschmack vieler Weintrinker trifft und ihnen Sicherheit bietet. Für uns Weinkritiker, Sommeliers und Händler stehen dagegen eigenes Wissen und Können als Grundlage für die Auswahl im Vordergrund. Weil wir uns so intensiv mit dem Thema beschäftigen, neigen wir zu Weinen mit ausgeprägtem oder gar extremen Geschmack, während die meisten Weintrinker nach Harmonie und Gefälligkeit suchen. Aus diesen Gründen haben die meisten Weinkritiker, Sommeliers und ehrgeizigen Händler keinen blassen Schimmer, wie die grossen Weinmarken der Welt schmecken. …“

Ich glaube, das ist, vielleicht nicht das, aber ein Problem. Diese allgemeine Haltung von Experten (sei es Essen, Trinken, Musik, Kunst), nämlich – was allen gefällt, kann nicht gut sein. Natürlich ist nicht alles, was Allen gefällt, gut. ABER: Was allen gefällt ist auch nicht per se schlecht.

Aber das denken viele Weinverkäufer, Kritiker, Weinkenner. Beispiele?

Chardonnay
*schnelles Kreuzzeichen* – Anything But Chardonnay. Wenn er schmeckt, dann ist es doch ok. Nur weil alle es trinken und es schlechte gibt, trinkt man keinen mehr?

Grauburgunder
Vor 3 Monaten auf Facebook ein Post eines bekannten deutschen Master of Wine: „Das fängt ja gut an. Gerade mit einem befreundeten Gastronomen gesprochen, der sagte, dass keine einzige Flasche Champagner an Sylvester gelaufen ist, dafür Grauburgunder ohne Ende. Soll jeder das trinken, womit er glücklich wird. Aber dieses gesellschaftliche Phänomen, dass Mittelmass / Durchschnitt zur Spitze erhoben wird, sich auf die Schulter zu klopfen, wenn man billig davongekommen ist, das finde ich bedenklich“
Hallo? Mittelmass / Durchschnitt – das hat dann wohl der befreundete Gastronom angeboten, oder?

Musik
Wieviele Indie Bands verlieren ihre Fans, sobald sie Erfolg haben und im Radio gespielt werden? Mainstream ist bäh?

Wenn man im Gespräch mit einem Musikkritiker sagt, dass man Mozart mag oder die Jahreszeiten von Vivaldi schön findet – Augenrollen, man hört förmlich den Gedanken, was ist das denn für ein Proll?

Skulpturen, Bilder
Immer gilt, gefällig = schlecht. Wenn Du das schön findest, hast Du keine Ahnung bzw. bist sehr einfach gestrickt.

Ich finde das sehr überheblich und ich will das nicht.

Möglich, dass es Kenner gibt, die jedes noch so kleine Gesteinsbröckchen, dass da in der Nähe der Rebe lag, rausschmecken können. Aber die Masse eben nicht, ich auch nicht. Die Masse sucht etwas, was schmeckt. Und erschwinglich ist. Nicht billig, aber erschwinglich, das ist nämlich ein Unterschied. Für viele sind 6-8 Euro für eine Flasche Wein schon sehr sehr viel Geld. Gott sei Dank bekommt man für dieses Geld in Deutschland durchaus was Vernünftiges. Aber dieses Elitäre, Intellektuelle und dieser Kampf um den noch selteneren ungewöhnlicheren Wein, der ist albern. Und fördert den Wein nicht.

Ich suche den für mich perfekten Wein, den ich gut trinken kann und den ich bezahlen kann. Und da es so viele Weine auf der Welt gibt, habe ich da auch noch viel zu tun. Und „Spass im Glas“ (Zitat, aber nicht aus dem Artikel von Pigott).

Noch ein Glas zur Frühjahrsdiät

Bald ist Frühling, der Beginn meiner jährlichen Frühjahrsdiät, die die Nachweihnachtsdiät ablöst. Nicht, dass das Ganze jemals was gebracht hätte, aber ich liebe ja Konstanz und Regeln und wenn laut Plan die Diät dran ist, dann ist sie halt dran.

Diesmal wird es aber ganz ganz einfach (und lustig):

Laut Forschern der Washington State University, der Harvard Medical School und der Arizona State University soll Wein beim Abnehmen helfen: Der vermeintliche Dickmacher enthält nämlich das Polyphenol Resveratrol, das tatsächlich ein Schlankmacher ist. Die Substanz verwandelt weißes Fett in beiges Fett, was vom Körper viel leichter verbrannt werden kann. Dadurch purzeln die Pfunde – zumindest theoretisch. Das ist das Ergebnis der Studie der Washington State University.

Die Forscher der Harvard Medical School fanden heraus, dass bei Frauen, die pro Tag zwei Gläser Rotwein trinken, die Wahrscheinlichkeit, übergewichtig zu sein, um 70 % niedriger ist, als bei Frauen, die mehr oder weniger Wein trinken. Dafür haben sie immerhin 20.000 Frauen 13 Jahre lang auf den Teller und in das Glas bzw. die Gläser geschaut.

Bei der Arizona State University kam heraus, dass Resveratrol nicht nur böse Fette zu guten Fetten transformiert, sondern gleichzeitig den Appetit zügelt. Das kann ich persönlich nicht so bestätigen, ich krieg dann schon Hunger, allerdings nicht auf Snacks oder Süsses. Aber die werden das schon besser wissen.

Ich hoffe, wir reden hier nicht von Fingerhüten (0,05), wie sie bei den exklusiven Verkostungen ausgeschenkt werden, sondern von soliden Vierteln (0,25). Hätte ich meinen Blog lieber NochZweiGlasWein nennen sollen?

Na dann – Heid Klum – ich komme, bin mir aber nicht sicher, wie elegant ich nach der „Medizin“ noch den Catwalk entlang schwebe. Wird wohl eher – Brucemässig – ein Drrama.

Charles Noll

In Mittelwihr findet sich das Weingut Vins d’Alsace EARL NOLL Charles. Dort habe ich bei meinem letzten Elsassbesuch einige Weine verkostet und auch gekauft und nun einen getrunken, nämlich den Gewürztraminer von 2014

Sehr intensive Nase nach „reifen“ Honig. Sehr angenehm und frisch am Gaumen, im Abgang für meinen Geschmack etwas zu definierte Säure. Alles in allem aber ein abgerundeter Wein zu einem sehr schönen Preis (6.70 Euro).

Winzer vs. Winzergenossenschaft

Kürzlich war ich ja im Elsass und besuchte dort auch eine Winzergenossenschaft (Cave de Beblenheim) und einen Winzer (Jean Wach in Andlau). Bei beiden kaufte ich u.a. einen Grauburgunder (gleicher Ausbau, gleicher Jahrgang, gleiche Preislage) und verkostete diese nun. Beide haben mir geschmeckt, interessant waren die
Unterschiede.
Farbe: Der Grauburgunder der Winzergenossenschaft hatte ein tiefes Honiggelb, der des Winzers war eher hellgelb.
Nase: Beide waren am Anfang eher unscheinbar, beide entwickelten nach einer Weile im Glas einen angenehmen Duft nach Birne, grünen Äpfeln.
Gaumen: Der Wein der Winzergenossenschaft war deutlich fruchtiger, dafür etwas matt. Der des Winzers hatte etwas mehr Säure, wirkte deutlich spritziger. Der Winzergenossenschaftliche Wein hatte einen längeren Abgang.
Beide haben mir gefallen, sehr schön fand ich eben die Unterschiede.
Bald fahr ich noch einmal in den Elsass, mal sehen, was ich dann finde.